
Zauberwort Resilienz
Doch genau daran scheitern Menschen in Krisensituationen. Sie bringen die Kraft nicht mehr auf. Aber wieso scheitern manche Menschen an ihren Tiefpunkten und andere gehen gestärkt daraus hervor? Wieso tötet sich Herr A nach seiner Autohaus-Pleite selbst, Herr B aber sattelt nach der gleichen Katastrophe um und produziert Biogurken? Das Schlagwort für Krisensicherheit heißt Resilienz. Resilienz umschreibt die Widerstandskraft im psychischen und seelischen Bereich. Das Lateinische „resiliare“ kann man mit „abprallen“ , „wieder auf die Füße kommen“ übersetzen und manche können das besser als andere.
Resilienz für Krisengebeutelte
Wie aber wird man resilient und kann man diese Fähigkeit trainieren? Trotz der Tatsache, dass der Grundstein für die Resilienz eines Menschen im Kindheitsalter gelegt wird, gibt es für Erwachsene Hoffnung. Forscher haben festgestellt, was resiliente Menschen von anderen unterscheidet: Sie alle eint die Überzeugung, dass sie ihre Probleme lösen können. Dass die Schwierigkeiten, in denen sie stecken, keine unumgängliche Schicksalsschläge, sondern lösbare Aufgaben sind. Sie sind dabei aber nicht der Typ gewiefter Macher, sondern oft das Gegenteil von tough und cool! Sie geben Schwächen eher zu und fragen schneller um Hilfe als andere! Deshalb sind beispielsweise Mädchen resilienter als Jungs! Denn resiliente Menschen konzentrieren sich eher auf die Lösung als auf das Problem selbst. Sie sind aktiv und wenn man für die Lösung jemanden bitten muss, dann tun sie das!
Die Kauai-Studie
Resiliente Menschen haben also keine Probleme, andere um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen. Die faszinierendste Untersuchung zum Thema lief über 40 Jahre und stammt von der Amerikanerin Emmy E. Werner. Werner beobachtete auf der Insel Kauai eine große Gruppe von Kindern, die unter extrem schwierigen Bedingungen lebten: Die Eltern waren Alkoholiker, arbeitslos und oft auch gewalttätig. Trotz der allgemein gleichen Bedingungen für diese Kinder wurde ein ganzes Drittel von ihnen „normal“, machten eine Ausbildung und fanden Arbeit. Sie wurden zu selbstbewussten, zuverlässigen, fürsorglichen Erwachsenen. Was aber unterschied sie von den anderen?
Die Kraft der Hilfe
All diese Kinder hatten einen Mentor! Das musste nicht unbedingt ein Elternteil sein, es genügte irgendein Erwachsener, den sie um Hilfe bitten konnten und dem sie Fragen stellen konnten, ein Lehrer, der Pfarrer oder der Freund der Schwester.
Netzwerk-Hilfe
Was können wir daraus lernen? Den Satz „Fragen kostet nichts“. Egal wie schlimm das momentane Befinden ist, man sollte sich in jedem Falle dazu überwinden, jemanden um Hilfe zu bitten. Das muss nicht ein Familienmitglied oder Freund sein. Hier leisten auch Fachleute gute Arbeit: Pro Familia, Schulpsychologen, Suchthilfestationen, Krisenhilfe-Vereine, Selbsthilfegruppen oder auch Seelsorger.
Der erste Schritt ins „Nachher“
Den Anfang für den neuen Zustand nach der Krise sollte also stets von dem Gedanken geprägt sei, dass es einen Ausweg gibt und dass man sich Hilfe suchen darf und soll. Der Satz „Ich finde eine Lösung“ sollte als Post-It-Zettel auf ihrem Spiegel kleben! Denn wie die resilienten Kinder auf Kauai können sich auch Erwachsene aus der Opferrolle befreien und trotz widrigster Umstände zu tatkräftigen und somit glücklicheren Menschen werden. Die Resilienzberaterin Monika Gruhl : „Resiliente Menschen wecken ihre eigenen Kräfte und Potenziale, verkraften Rückschläge und Widrigkeiten ohne sich entmutigen zu lassen.“ Vertrauen Sie also nicht mehr nur auf Glück oder Zufall, sondern nehmen Sie die Dinge selbst in die Hand - und blicken Sie der nächsten Krise voller Selbstsicherheit und ohne Angst entgegen!

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen